Rosmarie Keller ist am 10.10.1960 im Sternzeichen Waage, «im hintersten
Emmental geboren»,
wie sie sagt. Sie ist mit Urs verheiratet und Mutter
dreier erwachsener Töchter.
Rosmarie Keller schnitzt seit ihrer Kindheit und stellt stilvolle Holzspielsachen her. «Wieso hast du dir ausgerechnet schnitzen als künstlerische Tätigkeit ausgesucht?» «Ich weiss das nicht so genau, denn schnitzen ist für mich wie eine Droge, ja sogar eine Sucht. Oft arbeite ich auch in den Ferien an meinen Holzfiguren. Ich muss und will etwas mit meinen Händen tun. Es macht mir unendlich viel Spass, Holz zu verändern und schöne Gegenstände herzustellen.»
Ihr Vater ist Holzbildhauer und arbeitet heute noch an seinen Werken. Eigentlich war er Bergbauer, und in frühen Jahren hat er in der guten Stube geschnitzt.
So ist Rosmarie Keller in den Holzspänen aufgewachsen. «Überall lagen sie herum, im Wohnzimmer in der Küche», erzählt sie lachend. Breits mit vierzehn begann Rosmarie mit dem Holzschnitzen. Rosmarie hat ihr Hobby vor vielen Jahren zum Beruf gemacht. «Was fasziniert dich an dieser Art zu leben?», frage ich sie. «Unabhängigkeit, handwerklich etwas tun, in meinem Tagesablauf frei sein, anfertigen können, wann ich will und wie viel ich will.»
«Was
hat dich aber veranlasst, ausgerechnet Holztiere herzustellen?»
«Tina,
meine Tochter, bekam vor vielen Jahren von ihrem Götti eine hölzerne
Arche und sfr. 100.- Gemeinsam gingen wir in einen Laden und wollten Holztiere
für die Arche kaufen. Leider bekamen wir nur sehr wenig für unser
Geld. Da beschloss ich, die Holzspielsachen selber herzustellen. Als ich
von zu Hause auszog, bekam ich gutes Werkzeug mit auf meinen Lebensweg, damit
ich selber etwas erzeugen könnte. Das war eigentlich der Beginn meiner
eigenen Schnitzerkarriere. Ich habe als erstes drei Hühner geschnitzt,
und dann begann, ich Holzspielzeuge für meine Kinder herzustellen. Später
als meine Kinder grösser wurden, standen sie eines Tages am Strassenrand
und boten ihre Spielsachen an. Ich war überrascht, als sie mit den Taschen
voller Geld nach Hause kamen und sie ihre Gegenstände an die Leute gebracht
hatten.Später fuhr ich mit dem Leiterwagen auf den Handwerkermärit
und begann meine Tiere professionell zu verkaufen.»
Seit zehn Jahren findet man Rosmarie und Urs Keller jeden ersten Samstag im Monat auf dem Handwerkermärit auf der Berner Münsterplattform. Sie mag es, auf dem Handwerkermärit zu stehen und mit Menschen zu reden. «Bei meiner Arbeit bin ich oft alleine und da ist es für mich wichtig, auf den Märkten zu beobachten, wie Menschen Freude an meinen Tieren haben.»
Wenn sie nicht schnitzt, findet man sie im Garten. Als Waagegeborene hat
sie eigene Vorstellung von einem Garten, mit ihrem ästhetischen Empfinden
können andere kaum mithalten. «Für mich hat Garten auch mit
Gestalten zu tun, und es macht mir grossen Spass, immer wieder alles umzustellen,
damit ich mich in meinem Garten zurecht finden kann. Gerne bin ich allerdings
auch Mutter und Hausfrau.» Tochter Tina, welche während unserem
Gespräch auf ihrem Sessel liegt und mit einem Ohr zuhört, meint
spontan: «Ich bin schon froh, dass meine Mutter Zeit für mich
hat, wenn ich gestresst von der Schule komme.»
Selbstverständlich gibt’s im Hause Keller ab und zu auch Zoff. «Vor
allem, wenn meine Mutter mir alles aufräumt, das habe ich gar nicht
gerne», meint Tina lachend. «Und weil meine Mutter so chaotisch
ist, sollte ich ordentlich sein, das ist doch doof - oder? Aber schnitzen
kann meine Mutter wirklich gut» sagt Tina nicht ohne Stolz, bevor sie
sich wieder in den Sessel drückt.
«Rosmarie, hast du deine Begabung an deine Töchter weitergegeben?» frage
ich sie weiter. «Jasmin, die Jüngste, wird wohl einmal in meine Fussstapfen
treten, aber das wird noch ein Weilchen dauern. Jasmin ist gerade mal dreizehn
geworden», erzählt sie.
Formen und Gestalten, den Tieren einen Ausdruck geben, ist für Rosmarie etwas sehr Attraktives. Sie hat keine Angst, dass ihr die Ideen ausgehen könnten.«Meist bei Vollmond habe ich meine besten Ideen für neue Kreationen, vielleicht kommt deshalb jeden Monat ein neues Tier auf den Markt», sagt sie unvermittelt. Immer wieder schaut sie mich schelmisch an, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt.
Einem Museumsbesuch oder Kirchenbesuch beeindruckt sie sehr. Schönheit und Kunst bezaubern sie immer wieder. So gibt sie ihren Holztieren einen künstlerischen Anstrich und freut sich , wenn ihre Tiere in Sammlungen wieder zu finden sind.»
«Meine Tiere sind speziell, und das ist mir wichtig. Ich habe nichts gegen Migros oder Coop, ich gehe ja auch dort einkaufen, aber Kunsthandwerk ist für mich schon etwas sehr Sinnliches und Individuelles».
«Hast du keine Mühe, wenn andere deine Kunstwerke kopieren», will ich wissen. «Klar werden meine Tiere kopiert, einerseits bin ich stolz darüber, und anderseits würde ich es schade finden, wenn meine Tiere plötzlich in jedem Haushalt stehen würden, dann wären sie eben nicht mehr so besonders. Wirtschaftlich wäre es sicher reizvoll, aber eigentlich möchte ich gar keine Massenware. Meine Tiere sind mit sehr viel Liebe und vollständig in Handarbeit gemacht, und der Erfolg gibt mir recht.»
Im November 2003 stellt sie im Kindermuseum in Baden AG ihre Holzspielsachen aus. Dort kann man ihr bei der Arbeit als Spielzeugschnitzerin zuschauen. «Ich freue mich sehr auf diesen Anlass, weil es mir auch bestätigt, dass ich auf dem richtigen, meinem eigenen Weg bin», sagt sie bestimmt.
Am meisten Freude bereitet es ihr, wenn sie Kinder sieht, die mit ihren
Holzspielsachen spielen, ganze Zoos und Archen aufbauen. Das gibt ihr immer
wieder die Bestätigung, dass sie wirklich das tut, was sie spürt
und will.